200 Jahre Carinthia

Die Carinthia

„Heimatliebe und Forschungsdrang“ –

Kärntner Rezept für eine zweihundertjährige Erfolgsgeschichte


Im Sommer 1811 wurde die Zeitschrift „Carinthia“ zum ersten Mal gedruckt. Sie ist unter den noch bestehenden deutschsprachigen Zeitschriften die älteste Österreichs und nach den „Göttinger Gelehrten Anzeigen“ (seit 1738) und den „Annalen der Physik (Marburg an der Lahn, seit 1799) die drittälteste überhaupt.

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Bis 1854 war die Carinthia eine selbständige Wochenzeitschrift, die der „Klagenfurter Zeitung“ beigelegt wurde, aber auch allein bezogen werden konnte. Beide Medien erschienen im Verlag Ferdinand Kleinmayr. Nach der Trennung von der Klagenfurter Zeitung wurde die Carinthia neun Jahre lang als selbständiges Blatt vom Verlag Johann Leon betreut. Schließlich gaben von 1864 bis 1890 der Geschichtsverein und der Naturwissenschaftliche Verein für Kärnten die Zeitschrift als gemeinsame Monatsschrift heraus. 1890 legte der Geschichtsverein daneben ein eigenes Blatt auf – genannt „Neue Carinthia“ – mit alleiniger Ausrichtung auf die ihn berührenden Themen. Als 1891 die beiden wissenschaftlichen Vereine überein kamen, die Carinthia zu teilen, so dass jeder für sich ein Periodikum hatte – Carinthia I für den Geschichtsverein, Carinthia II für den Naturwissenschaftlichen Verein – wurde die „Neue Carinthia“ eingestellt.

In der Carinthia I, bis heute die einzige historisch-wissenschaftliche Jahreszeitschrift des Landes, findet seit 1891 die gesamte Forschung zur Kärntner Geschichte ihren Niederschlag. Das von Simon Laschitzer, Kustos der k. k. Studienbibliothek und Redakteur der „Neuen Carinthia“ sowie der Carinthia I bis 1897, formulierte Programm für die zukünftige Gestaltung der Zeitschrift des Geschichtsvereines für Kärnten hat bis heute Gültigkeit. In ihm ruht jenes Erfolgsrezept, das die Carinthia I zu einem in seinem Bestand nie gefährdeten Medium und Fixpunkt des Kärntner geistigen Lebens machte und macht. Max Ortner nannte 1910 in seiner Laudatio anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Carinthia“ dieses Erfolgsrezept beim Namen – die Verbindung von „Heimatliebe und Forschungsdrang“, durch die vaterländischer Stolz und feste Anhänglichkeit an das Bestehende erzeugt werden, während der wissenschaftliche Zweck durch Forschung nebenher laufe.


Als August Ritter von Jaksch 1898 die Redaktion der Carinthia I übernahm, bat er in einem Aufruf „alle Kärntner und die vielen Freunde dieses schönen Landes, welche Gelegenheit haben, sich in irgendeiner Weise mit der Geschichte Kärntens im weitesten Sinn des Wortes zu beschäftigen, auch wenn sie nicht strenge Fachleute sind, um ihre freundliche Unterstützung“. Die bewusste Verankerung der Wissenschaft im Land durch Einbindung interessierter Laienkreise wurde Tradition; bis heute steht jedem fachkundigen Autodidakten die Mitarbeit in der Carinthia offen. Das schafft eine breite Basis, die sich mit der Arbeit des Geschichtsvereines und ihres Publikationsorgans identifiziert, und ist das Geheimnis des Erfolgs.