Vereinsgeschichte

Gründung des Vereines

Als 1844 der Historische Verein für Kärnten (seit 1891 Geschichtsverein für Kärnten) gegründet wurde, gab es in Kärnten kein von der öffentlichen Hand finanziertes Museum wie etwa in Graz oder Laibach/Ljubljana. Für Kärnten, das seine politische Selbständigkeit verloren hatte und von Laibach aus verwaltet wurde, war kein Geld vorhanden. Mangels einer eigenen politischen Landesbehörde war man ins Hintertreffen geraten. Ein privater Verein sprang in die Bresche: Der Geschichtsverein für Kärnten hat auf ehrenamtlicher Basis nicht nur die Geschichtsforschung in Kärnten vorangetrieben, sondern auch durch eine beeindruckende Sammeltätigkeit ein Landesmuseum, eine Bibliothek mit besonderer Berücksichtigung der „Carinthiaca“ und ein großes Archiv aufgebaut.

Das „Rudolfinum" – Sitz des Vereines

Das Vereinsprojekt Landesmuseum ist unter großzügiger Mitarbeit kärntnerischer Patrioten durch das 19. und weite Teile des 20. Jahrhunderts getragen worden. Persönlichkeiten aus Adel, Bürgertum und Klerus schenkten oder vererbten Kunstwerke aus ihrem Besitz, Archivalien, Bücher, Münz-, Siegel-, Antikenkollektionen u. a. dem Geschichtsverein für seine Sammlungen, vermachten ihm Geld-Legate zum Ankauf und zur Rettung wertvollen Kulturgutes. In weiterer Folge kamen Subventionen auch von Land und Staat.

1884 war das mit Hilfe der Kärntner Sparkasse neu errichtete Museumsgebäude (die Vereinskanzlei ist noch heute hier untergebracht) fertig gestellt; in Anwesenheit von Kronprinz Rudolf konnten Geschichtsverein und Naturwissenschaftlicher Verein ihr Landesmuseum Rudolfinum der Öffentlichkeit präsentieren.

Die Aktivitäten des Vereines im Laufe der Zeit

Die Sammlungen und das Museumsgebäude sind erst 1974 nach Abschluss eines Vertrages zwischen Verein und Land in das Eigentum des Landes Kärnten übergegangen. Die gleiche Regelung gab es für die Vereinsbibliothek und die Archivalien, die heute einen wichtigen Teil der Bestände des Kärntner Landesarchivs sind. Die mehr als 100 Jahre lang auf Vereinsbasis für die Öffentlichkeit erbrachte Leistung der Trägervereine des Landesmuseums ist einzigartig und in ihrer Dimension den Kärntnern viel zu wenig bewusst.

Heute sammelt der Verein nicht mehr, der Schwerpunkt liegt nunmehr auf der Verlagstätigkeit, zur Förderung der Kärntner Geschichtsforschung. Wichtiges Publikationsorgan des Vereines ist die 1811 gegründete Carinthia.

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Zu den ältesten Beständen der ehemaligen archäologischen Sammlung des Geschichtsvereines gehörten die Marmorskulpturen (Venus, Mars und Noreia-Isis) aus dem sog. Bäderbezirk von Virunum (heute Kärntner Landesmuseum). Foto: U. P. Schwarz
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Die Ablassurkunde aus Avignion für die Schlosskapelle von Stein im oberen Drautal (1332) wurde vor 1894 von Fürst Orsini-Rosenberg dem Geschichtsverein übergeben (heute Kärntner Landesarchiv). Foto: A. Poschinger


Ein besonderes Anliegen des Vereines ist heute neben seiner Publikationstätigkeit auch die Förderung von jungen Wissenschaftlern, die sich mit der Landesgeschichte befassen. Der Geschichtsverein vergibt zu diesem Zweck einen Preis (zusammen mit dem Landeshauptmann) und ein Stipendium. Außerdem bietet er der Jugend unter dem Motto „Jugendliche schreiben für Jugendliche“ die Möglichkeit an, eigens verfasste Beiträge und/oder vorwissenschaftliche Arbeiten mit historischen Inhalten auf seiner Website zu publizieren,

Stark forciert wurde in jüngster Zeit das Veranstaltungsangebot (Exkursionen, Reisen, Vorträge usw.). Der Zuspruch seitens der Mitglieder ist so groß, dass vielfach zusätzliche Termine eingeschoben werden müssen.

Die Entwicklung der Mitgliederzahlen

Die Entwicklung der Mitgliederzahlen ist nicht immer geradlinig verlaufen, sondern war von mehrfachen Krisen und Umbrüchen begleitet, deren Ursachen teils in allgemeinen wirtschaftlichen und geistigen Zeiterscheinungen, teils aber auch im Verein selbst lagen. Dass der Geschichtsverein alle diese Phasen der Stagnation und des Niederganges überwinden konnte, war immer wieder das Verdienst einzelner führender Persönlichkeiten, die die Ziele und Arbeitsweisen des Vereins den jeweiligen neuen gesellschaftlichen Bedürfnissen anpassten.


Hatte der Verein in seinen Anfangsjahren noch den Charakter einer elitären gelehrten Gesellschaft, so präsentiert er sich heute als eine Organisation, die sich mit ihrem Angebot auf dem Sektor der „Geschichtlichen Landeskunde“ in der modernen Freizeit- und Informationsgesellschaft erfolgreich behauptet, weil er die Grundbedürfnisse des Menschen nach regionaler und historischer Identitätsfindung in einer globalisierten Welt zu befriedigen imstande ist. Die Mitgliederzahlen – es sind mittlerweile rund 2900 – zeigen, dass sich der Geschichtsverein auf dem richtigen Weg befindet.